12.09.2026

Zuhören und ins Gespräch kommen: 30 Jahre Begegnungstag

Seit 30 Jahren bringt der landeskirchliche Begegnungstag Menschen zusammen. In Radeberg standen ihre Lebensgeschichten im Mittelpunkt – und die Frage, wie Miteinander im Alltag gelingt.

»Geschichten vom Leben. Zuhören statt Wegsehen« – unter diesem Motto stand der Begegnungstag der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens am 12. September 2026 in Radeberg. Seit 30 Jahren lädt die Landeskirche zu diesem Treffen ein. Rund 500 Menschen kamen in der Stadtkirche zum Gottesdienst zusammen. Der Tag richtete sich an Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler sowie an Christinnen und Christen anderer fremdsprachiger Gemeinden aus ganz Sachsen.

Nach dem Gottesdienst setzte sich das Programm auf dem Markt fort. Musik und Tanz, Informationsstände von Vereinen sowie Stadt- und Schlossführungen boten viele Gelegenheiten, einander zu begegnen und Radeberg kennenzulernen. Für Stimmung sorgten unter anderem das Kinder- und Jugendensemble »Sonnenschein« aus Leipzig, der Kalinka-Chor aus Weißwasser und Chöre aus Dresden und Markkleeberg. Die Schaschliks kamen traditionell vom Verein »Das Zusammenleben e. V.« aus Freital. Auch die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland und der Aussiedlerverband Sachsen waren vertreten. Gemeinsam mit Dr. Manfred Hellmund präsentierte ich die Ausstellung »Heimatwechsel. Sachsen und Russland. Deutsche aus Russland in Sachsen«.

In meinem Grußwort ging ich auf die Geschichte der Spätaussiedler und den diesjährigen 85. Jahrestag des Erlasses vom 28. August 1941 ein, der für die Deportation der Deutschen in der Sowjetunion steht. Zugleich warb ich dafür, sich für die Lebensleistung der Aussiedler zu interessieren und diese anzuerkennen. Es gilt, gemeinsam weiterzugeben, was ihre Geschichte geprägt hat: Zusammenhalt, Mut, Arbeitsbereitschaft sowie Zuversicht und Freude am Leben. Solche positiven Signale braucht unser Land.

Der Begegnungstag bietet Gelegenheit, zuzuhören und die Erfahrungen anderer in den eigenen Alltag mitzunehmen. Denn Miteinander beschränkt sich nicht auf einen Tag im Jahr. In persönlichen Gesprächen berichteten mir Frauen aus der Ukraine und Tadschikistan von ihren Schritten und Hoffnungen hier in Sachsen: von der Wohnungssuche, vom Deutschlernen und von der Suche nach Arbeit. Dabei geht es auch darum, eine Tätigkeit zu finden, die der eigenen Ausbildung und bisherigen Berufserfahrung entspricht – statt einen beruflichen Abstieg hinnehmen zu müssen.

Zum Abschluss eröffnete mir der Blick vom Kirchturm noch eine andere Perspektive: Von Czorneboh und Bieleboh über den Großen Schneeberg bis zum Kahleberg zeigte sich, in welch einem schönen Landstrich wir leben.

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