85 Jahre Stalin-Erlass: Gedenken an Deportation der Russlanddeutschen
Am 29. August wurde in Chemnitz des 85. Jahrestags des »Stalin-Erlasses" gedacht. Er leitete 1941 die Deportation der Russlanddeutschen ein.
In Chemnitz gedachten wir am 29. August 2026 des 85. Jahrestags des sogenannten »Stalin-Erlasses", der die Deportation der in der Sowjetunion lebenden deutschen Bevölkerung nach Sibirien und nach Zentralasien einleitete. Hunderttausende Deutsche wurden kollektiv stigmatisiert und zwangsweise umgesiedelt. Viele wurden zur Zwangsarbeit in sogenannte Arbeitsarmeen eingezogen und mussten unter extremen Bedingungen arbeiten. Hunger, Krankheit und Gewalt forderten unzählige Opfer.
Die Geschichte der Deutschen aus Russland ist geprägt von schweren Prüfungen, aber auch von Standhaftigkeit. Über Generationen hinweg bewahrten viele ihre Sprache, ihre kulturellen Traditionen und ihr Gemeinschaftsleben – selbst, als es verboten war. Seit etwa 1980 fanden viele Nachkommen der damaligen Deportierten in Deutschland eine neue Heimat. Allein für Sachsen kann von rund 150.000 Personen mit Aussiedler- und Spätaussiedlerhintergrund ausgegangen werden, die hier sesshaft wurden. Sie bereichern und gestalten unseren Freistaat mit, ob in Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Kirche und Politik. Von ihrem ehrenamtlichen Engagement profitiert unsere Gesellschaft in vielfältiger Weise.
Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland und der Aussiedlerverband sind für Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler ein verlässlicher Anlaufpunkt und Unterstützer in ihrem Lebensalltag. Wichtig erscheint mir eine sachgerechte und umfassende historische Aufarbeitung der Geschichte der Russlanddeutschen, die einst erwünschte Siedler in Russland waren. Ihr Schicksal gehört zu unserer bleibenden Erinnerungskultur und mahnt, Lebensleistungen anzuerkennen, Minderheiten zu schützen, sich vor kollektiven Schuldzuweisungen zu verwahren und für Freiheit, Menschenwürde und Frieden in Europa einzutreten.
Zugleich, und auch dies sollte stärker in den Blickpunkt gerückt werden, heißt Erinnerung und Bewahrung auch, die schönen Dinge weiterzugeben: dazu zählen zum Beispiel der Zusammenhalt, das gemeinsame Überwinden von Schwierigkeiten, die Bewahrung der Zuversicht und kulturelle Leistungen.