16.09.2026

85 Jahre nach der Deportation

Ein Begegnungsabend in Dresden erinnerte an die Deportation der Deutschen aus der Sowjetunion vor 85 Jahren und beleuchtete ihre Lebenswege sowie ihren Beitrag zum heutigen Sachsen.

Erinnerung an erlittenes Unrecht und Austausch über das Leben in der neuen Heimat: Beides stand im Mittelpunkt des Begegnungsabends am 16. September 2026 im voll besetzten großen Saal des Goethe-Instituts Dresden. Der Aussiedlerverband Sachsen und die Stiftung Erinnerung Begegnung Integration hatten anlässlich des 85. Jahrestags der Deportation der Deutschen aus der Sowjetunion und der Auflösung der Wolgarepublik eingeladen.

Mit dem sogenannten Stalinerlass vom 28. August 1941 wurde die Deportation der Wolgadeutschen angeordnet. Die Auflösung ihrer autonomen Republik folgte. Auch Deutsche aus anderen Regionen der Sowjetunion wurden deportiert, insbesondere nach Sibirien und Kasachstan. Entrechtung, Hunger und Zwangsarbeit in der sogenannten Trudarmee prägten das Schicksal der Betroffenen. Viele verloren ihr Leben. Der Verlust der Heimat blieb dauerhaft.

Unter dem Titel »85 Jahre auf dem Weg: Wohin?« diskutierten Waldemar Eisenbraun, Eleonora Hummel, Florian Braun und ich. Mirko Schwanitz moderierte das Gespräch. Besonders bewegend waren die persönlichen Erfahrungen des Ankommens in Deutschland und die Frage, wie es gelang, Anerkennung und Akzeptanz zu finden.

Waldemar Eisenbraun stellte zudem die Arbeit des Bayerischen Kulturzentrums der Deutschen aus Russland vor. Grußworte sprachen Ulf Bandiko, Amtschef im Sächsischen Staatsministerium des Innern, und der Landtagsabgeordnete Dr. Sven Eppinger.

Bei einem kleinen Imbiss setzten die Gäste aus ganz Sachsen – von Weißwasser bis Leipzig – ihre Gespräche fort. Die Ausstellung »Heimatwechsel« gab mit Lebensgeschichten von Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern in Sachsen weitere Einblicke in Erfahrungen von Heimatverlust und Neubeginn.

Der Abend machte deutlich, wie viel die Deutschen aus Russland zum gesellschaftlichen Leben beitragen. Zuversicht, Tatkraft und der Wille zur Mitgestaltung kennzeichnen viele ihrer Lebenswege. Hinzu kommen eine reiche Kultur und der Stolz auf die eigene Geschichte und Lebensleistung. In diesem Sinne wurde ihre Integration als gemeinsame Erfolgsgeschichte gewürdigt.

Zugleich blieben Schwierigkeiten und offene Fragen nicht ausgespart. Dazu gehören insbesondere die Rentengerechtigkeit und die Anerkennung beruflicher Abschlüsse unter Berücksichtigung der jeweiligen Lebenswege. Gelungene Integration bedeutet nicht, dass alle Hürden überwunden sind.

»Auffällig unauffällig« – diese Selbsteinschätzung fand viel Beifall. Sie beschreibt Menschen, die selbstverständlich dazugehören und deren Erfahrungen und Leistungen dennoch mehr Aufmerksamkeit verdienen.

In den vergangenen Jahren kamen jährlich etwa 200 bis 350 Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler nach Sachsen. Insgesamt schätze ich ihre Zahl im Freistaat auf rund 150.000. Ihre Erfahrungen, Fähigkeiten und ihr Engagement sind ein Potenzial für Sachsen.

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